95 Kilogramm – und plötzlich reichen 2.000 Kalorien nicht mehr zum Abnehmen
Am 4. September 2026 stand zum ersten Mal seit Beginn meines Experiments eine 95,0 auf der Waage. Gestartet war ich am 13. Juli mit 102,5 Kilogramm. In knapp zwei Monaten hatte ich damit 7,5 Kilogramm verloren.
Heute, am 18. September, wiege ich 95,5 Kilogramm.
Ein halbes Kilogramm Unterschied allein sagt zunächst wenig aus. Körpergewicht schwankt durch Wasser, Glykogen, Salz und Darminhalt. Interessanter wird die Sache aber, wenn ich nicht nur die Waage betrachte, sondern meine vollständigen Ernährungstagebücher seit dem ersten Erreichen der 95 Kilogramm.
Was ich seit dem 4. September tatsächlich gegessen habe
Vom 4. bis einschließlich 17. September wurden folgende Tageswerte dokumentiert:
| Datum | Energie | |---|---:| | 04.09. | 1.212 kcal | | 05.09. | 3.390 kcal | | 06.09. | 2.697 kcal | | 07.09. | 1.623 kcal | | 08.09. | 2.366 kcal | | 09.09. | 2.051 kcal | | 10.09. | 2.050 kcal | | 11.09. | 1.615 kcal | | 12.09. | 1.935 kcal | | 13.09. | 2.136 kcal | | 14.09. | 1.500 kcal | | 15.09. | 1.832 kcal | | 16.09. | 1.905 kcal | | 17.09. | 1.635 kcal |
Zusammen sind das rund 27.947 kcal.
Geteilt durch 14 Tage ergibt sich:
durchschnittlich etwa 1.996 kcal pro Tag.
Praktisch also 2.000 kcal täglich.
Und was hat die Waage gemacht?
Am 4. September: 95,0 kg.
Am 11. September: 95,0 kg.
Am 13. September: 95,0 kg.
Am 18. September: 95,5 kg.
Für mich ist das eine wichtige Bestandsaufnahme: Bei meiner momentanen Lebensweise führen ungefähr 2.000 kcal täglich offenbar nicht mehr zu der Gewichtsabnahme, die ich in den ersten beiden Monaten beobachtet habe.
Ich interpretiere die 500 Gramm Unterschied ausdrücklich nicht als nachgewiesene Fettzunahme. Dafür ist der Zeitraum zu kurz und die normale Schwankungsbreite des Körpergewichts zu groß.
Aber eines sehe ich in meinen Daten inzwischen ziemlich deutlich:
Mit durchschnittlich rund 2.000 kcal nehme ich momentan nicht mehr erkennbar ab.
Was hat sich gegenüber den ersten Wochen verändert?
Ein entscheidender Unterschied ist meine Bewegung.
Während der vergangenen Wochen gab es viele Tage mit 10.000, 15.000 oder sogar noch mehr Schritten. Momentan sitze ich dagegen sehr viel am Computer und komme häufig nur auf ungefähr 5.000 Schritte am Tag.
Gleichzeitig wiege ich heute rund 7,5 Kilogramm weniger als zu Beginn.
Beides ist für die Energiebilanz relevant. Weniger körperliche Aktivität reduziert den Gesamtenergieverbrauch. Außerdem verändert sich mit sinkendem Körpergewicht der Energiebedarf. Wissenschaftliche Modelle zur Gewichtsentwicklung berücksichtigen genau deshalb sowohl Veränderungen der Energieaufnahme als auch der körperlichen Aktivität und die Anpassungen des Energieverbrauchs während einer Gewichtsabnahme.
Mein persönlicher Messwert ist deshalb kein theoretisch errechneter Grundumsatz. Er beschreibt etwas anderes:
Unter meiner derzeitigen Lebensweise mit etwa 95 Kilogramm Körpergewicht, viel Computerarbeit und nur ungefähr 5.000 Schritten täglich scheint mein Erhaltungsbereich derzeit ungefähr bei 2.000 kcal pro Tag zu liegen.
Das ist keine allgemeingültige Zahl und auch für mich kein unveränderlicher Wert. Es ist eine aus meinen eigenen Daten abgeleitete Arbeitshypothese.
Die zwei Ausnahmetage verändern den Durchschnitt erheblich
Interessant ist noch eine zweite Rechnung.
Am 5. und 6. September lagen zwei Geburtstags- beziehungsweise Ausnahmetage unmittelbar hintereinander:
- 05.09.: 3.390 kcal
- 06.09.: 2.697 kcal
Zusammen: 6.087 kcal.
Entferne ich nur diese beiden Tage aus der Betrachtung, bleiben für die anderen zwölf Tage:
21.860 kcal ÷ 12 = rund 1.822 kcal täglich.
Mein normaler Ernährungsalltag war also gar nicht plötzlich bei 2.000 kcal angekommen. Die beiden Ausnahmetage haben den Gesamtdurchschnitt deutlich angehoben.
Das zeigt mir erneut, warum einzelne Tage wenig bedeuten und der Durchschnitt entscheidend ist.
Meine Konsequenz ab heute
Ich möchte weiter abnehmen.
In den ersten beiden Monaten waren es ungefähr drei Kilogramm pro Monat. Wenn ich mich momentan wesentlich weniger bewege, kann ich nicht erwarten, mit derselben Kalorienaufnahme automatisch dieselbe Entwicklung fortzusetzen.
Deshalb ziehe ich aus den vergangenen zwei Wochen eine konkrete Konsequenz:
Ich werde meine durchschnittliche Energieaufnahme wieder reduzieren.
1.800 kcal wären gegenüber meinem derzeit beobachteten Erhaltungsbereich von ungefähr 2.000 kcal lediglich ein Defizit von rund 200 kcal täglich.
Bei 1.700 kcal wären es rechnerisch etwa 300 kcal.
Bei 1.600 kcal etwa 400 kcal.
Mein neuer Arbeitsbereich soll deshalb zunächst ungefähr 1.600 bis 1.700 kcal pro Tag im Durchschnitt sein.
Wichtig ist mir das Wort Durchschnitt. Ein einzelner Restaurantbesuch oder ein Geburtstag ist nicht entscheidend. Entscheidend ist, was über viele Tage daraus wird.
Ebenso behaupte ich nicht, dass 1.600 oder 1.700 kcal automatisch wieder exakt drei Kilogramm Gewichtsverlust pro Monat erzeugen werden. Der menschliche Körper funktioniert nicht wie eine starre Kalorientabelle. Mit verändertem Gewicht und veränderter Energiezufuhr passt sich auch der Energieverbrauch an.
Genau deshalb werde ich es wieder so machen wie bisher:
essen, dokumentieren, wiegen, beobachten und anschließend anhand meiner eigenen Daten neu bewerten.
Mein Fazit nach gut zwei Monaten
Vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Erkenntnisse meines bisherigen Experiments.
Eine Kalorienmenge, mit der ich vor einigen Wochen noch abgenommen habe, muss nicht dauerhaft dieselbe Wirkung haben.
Ich bin leichter geworden. Meine Bewegung hat sich verändert. Mein Alltag hat sich verändert. Damit verändert sich auch meine Energiebilanz.
Die vergangenen 14 Tage liefern mir dafür erstmals einen ziemlich guten persönlichen Referenzwert:
95 kg Körpergewicht + wenig Bewegung + durchschnittlich rund 2.000 kcal = momentan ungefähr Gewichtserhaltung.
Ab jetzt beginnt deshalb der nächste Test:
Was passiert bei durchschnittlich 1.600 bis 1.700 kcal unter denselben Alltagsbedingungen?
Nicht irgendein Rechner soll mir die Antwort geben.
Die nächsten Wochen sollen sie liefern.
Quellen
- Body Weight Planner, National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases (NIDDK).
- Steps for Losing Weight, Centers for Disease Control and Prevention (CDC).
Dieser Artikel beschreibt persönliche Erfahrungen und Einordnungen in meinem Selbstexperiment. Ich bin kein Mediziner; der Artikel ist keine medizinische Diagnose, Behandlung, Ernährungs- oder Gesundheitsberatung und keine Empfehlung zur Nachahmung. Kläre eigene Veränderungen vorher mit deinem Arzt oder einer entsprechend qualifizierten Fachperson.